Videolaryngoskope – moderne Standardinstrumente in Anästhesie und Notfallmedizin
In den vergangenen Jahren haben sich Videolaryngoskope zu einem zentralen Werkzeug für die Atemwegssicherung entwickelt. Sie bieten eine deutlich verbesserte Sicht auf die Strukturen des Kehlkopfs und erhöhen damit die Erfolgswahrscheinlichkeit einer endotrachealen Intubation – gerade dann, wenn schwierige Bedingungen vorliegen.
Aufbau und Komponenten
Ein Videolaryngoskop setzt sich im Wesentlichen aus folgenden Bauteilen zusammen:
- Spatel: Wird in die Mundhöhle eingeführt, um die Zunge beiseitezuschieben und den Blick auf die Glottis freizugeben. Verbreitete Varianten sind:
- Hyperangulierter Spatel – speziell für das schwierige Atemwegsmanagement
- Miller-Spatel – bevorzugt im neonatologischen Bereich; siehe auch Übersicht der Spateltypen
- Kamera: Eine Miniaturkamera an der Spitze überträgt Livebilder an den Bildschirm.
- Beleuchtung: Eine integrierte LED sorgt für eine gleichmäßige Ausleuchtung der Atemwege.
- Monitor: Das Bild erscheint auf einem separaten oder integrierten Bildschirm und unterstützt so das exakte Einführen des Tubus.
Typische Einsatzbereiche
Die Videolaryngoskopie kommt in verschiedenen klinischen Situationen zum Einsatz, vor allem bei:
- Routineintubationen: Besonders in der Anästhesie etabliert sich das Verfahren zunehmend als Standard.
- Schwierigen Atemwegen: Laut S1-Leitlinie wird hier der primäre Einsatz empfohlen.
- Notfällen: Die bessere Übersicht steigert die Erfolgsaussichten bei kritischen Intubationen.
- Aus- und Weiterbildung: Da das Bild für mehrere Personen gleichzeitig sichtbar ist, eignet sich die Technik hervorragend zur Schulung von Ärzten.
Leitlinien und wissenschaftliche Datenlage
Die aktuelle S1-Leitlinie „Atemwegsmanagement“ der DGAI legt den routinemäßigen Einsatz von Videolaryngoskopen nahe. Kernaussagen sind:
- Geräte mit Macintosh-ähnlichem Spatel können als Erstinstrument eingesetzt werden.
- Für erwartbar schwierige Intubationen sollten hyperangulierte Spatel vorhanden sein .
- Nach misslungener direkter Laryngoskopie ist die Videolaryngoskopie das empfohlene Vorgehen.
- Bei hohem Aspirationsrisiko stellt sie die bevorzugte Methode dar.
Videolaryngoskope haben die Praxis der Atemwegssicherung nachhaltig verändert. Sie bieten entscheidende Vorteile in komplexen Situationen, sind durch Studien gut belegt und werden zunehmend zum Standard. Voraussetzung für die sichere Anwendung bleibt jedoch eine gezielte Schulung des medizinischen Personals.